Vernünftig oder vergnügt?

Irgendwie müssen in mir 2 Persönlichkeiten wohnen. Die eine heißt Vergnügen, die andere heißt Vernunft. Beide streiten täglich darum gehört zu werden. Ich habe die Nase voll davon, mir die Zugangsvoraussetzungen für ein vermeintlich glückliches und erfülltes Leben ständig vorschreiben zu lassen. Ich will nicht mehr nach den Vorstellungen leben die mein Leben voll, aber nicht reich machen. Dieses rastlose Rotieren ums eigene Ich war mir schon immer unsympathisch. Auch wenn es aktuell als Achtsamkeit verstanden wird und schwer angesagt ist, ist mir persönlich diese ständige Selbstoptimierung viel zu anstrengend und übertrieben.

All diese mahnenden Ernährungsratschläge liegen mir schwer im Magen und mein Leben ist zu kurz für Knäckebrot und Ingwerbrühe geworden. Der Platz nach hinten wird knapper.

Gewicht und Verzicht. Die Waage sagt mir doch eh nur wie schwer ich bin. Das allein ist schon erbärmlich genug, denn meist sagt sie mir damit gleichzeitig, dass ich irgendwie zu klein für diese Zahl bin. Niemals aber wird sie erkennen, ob meine Rundungen nicht vielleicht doch ganz attraktiv sind. Meine Schlaf-App protokolliert die Stunden, die ich geschlafen habe, ohne mir jedoch zu verraten, wie es gewesen wäre, wenn ich einfach in geselliger Runde weitergefeiert hätte.

Nein ich mache bei all diesen Trends und gesellschaftlichen Zwängen nicht mehr mit. Weniger Perfektion heißt oft mehr Gewinn. Ich plädiere daher für mehr Gelassenheit, und tausche ganz einfach Waage und Schlaf-App gegen ein bisschen mehr Abenteuer und ein bisschen weniger Vernunft.

Mit diesen Menschen, die ach so vernünftig sind und Ihr Leben wie ein „Malen nach Zahlen“ führen habe ich mich ja schon immer schwergetan. Vernünftig ist halt wie tot, nur vorher. Ok, um allen Missverständnissen vorzubeugen. Ein kleines, Mini-bisschen Vernunft werde ich mir schon erhalten, denn in ihrem Windschatten kann ich mir ganz gut von all den Eskapaden erholen, die das Vergnügen so mit sich brachte. Meinem hemmungslosen Genießen werden allmählich natürliche Grenzen gesetzt. Langsam geht es jetzt über in den Bereich „bewusstes Genießen“, das sich dadurch auszeichnet, dass ich mich immer öfter frage, nicht nur frage, wo der Genuss anfängt, sondern auch, wo er bzw. ich besser aufhören sollte. In diesem Sinne: Lieber 50 Jahre gelebt als 70 Jahre nur dabei gewesen. Und mal ganz ehrlich: was habe ich davon, wenn der Pfarrer an meinem Grabe meine inneren Werte lobt und damit die Cholesterin – und Leberwerte meint? Mir persönlich wäre es lieber, er würde sagen: „Viel war es nicht, was sie ausgelassen hat.“

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